Veröffentlicht in Römische Impressionen

Der Trevibrunnen in neuem Glanz

Verfasst von Roma Cultor am 15 November 2015
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Vor Kurzem ist die über ein Jahr andauernde Baustelle am Trevibrunnen endgültigt abgebaut worden: endlich ENDLICH erstrahlt der monumeltale Brunnen zu neuem Glanz.

Die italienische Modegruppe Fendi bezahlte die Renovierung mit zwei Millionen Euro. Es wurden 15 Monate lang geschrubbt, gereinigt, geschabt, geklebt, konsolidiert, gekittet, ersetzt. Die Renovierung wurde dringend notwendig, der Wasserdruck hatte zu stark an der originalen Substanz genagt, Vögelnester hatten die Säulenköpfe zwar verschnönert aber stark in Mitleidenschaft gezogen.

travertin kalkstein klEine Kommission bestimmte sogar die zugelassene Porengröße des Baumaterials (Travertin-Kalkstein), nicht nur aus optischen sondern auch aus Erhaltungsgründen, um die Angriffsfläche zu verringern. Eine spezielle Schutz-Schicht wurde am Stein angepinselt.

Die Geschichte des Trevibrunnen 

Untertags kann man sich in ganz Rom kaum einen belebteren Platz vorstellen als die Gegend um den Trevi-Brunnen; denn die Piazza quillt dann über von den Ständen der Gemüse- und Obsthändler, Kastanienröster, Zigarrenverkäufer und anderer fliegender Händler, die hier im Freien ihre kleinen Geschäfte betreiben. Auch Müßiggänger drängen sich hier, die sich über die Einfassung aus Eisen lümmeln, sowie 'forestieri' (Fremde), die hierherkommen, um sich den berühmten Trevibrunnen anzusehen. Dazu kommen Männer mit Eimern, kleine Bengel mit Kannen und junge Mädchen, die Krüge auf dem Kopf tragen. Denn das Trevi-Wasser ist weit und breit begehrt; es gilt als die erfrischendste Linderung für fiebrige Lippen, als die köstlichste Flüssigkeit, um den Wein zu mischen, und in seiner unverdorbenen Reinheit als das heilsamste Getränk, das es überhaupt gibt.

parco degli acquedotti klDer Vorläufer des Trevibrunnen stammt schon aus augustäischer Zeit (1.Jhdt. v. Chr.). Hier endete die dafür errichtete Wasserleitung der "Acqua Virgo", des jungfräulichen Wassers, die vom Osten kommend (ca. 20 km von Rom) in die Thermen des Agrippa neben dem Pantheon endete. Der Brunnen diente vermutlich schon in der Antike als Schöpfbrunnen.

Seit jeher dient er Römern und Touristen als Treffpunkt zu jeder Tagesstunde. Die Worte (rechts) des amerikanische Romanciers Hawthorne von 1858 könnten von heute stammen -

trevibrunnen vorgaenger bgDie Geschichte des Trevibrunnen ist als Metapher der Geschichte Rom zu lesen: an ein und derselben Stelle "schichtet" sich die Geschichte. Antike, Mittelalter, Neuzeit, Moderne.

Der Vorbau zum heutigen Brunnen geht auf einem Auftrag aus der Zeit des Urban VIII. Barberini zurück (17.Jhd.). Dieser Papst habe, so erzählt man, den Wein hoch besteuert, um die Fontana di Trevi ausbauen zu lassen. Daraufhin wären die Römer nur mit Wasser getränkt worden, weil der Wein zu teuer wurde.

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Der Trevibrunnen vor 1735

In diesem Gemälde aus der zweiten Hälfte des 17.Jhdts. sieht man links den Vorläufer des heutigen Trevibrunnens.

Rechts erkennt man San Vincenzo, die Kirche Santi Vincenzo e Anastasio, die im Jahre 1650 für Jules Mazarin (eigentlich Giulio Mazarini) errichtet.

 

 

Der heutige Trevibrunnen
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Der Trevibrunnen von Salvi

Nicola Salvi gewann um 1730 den begehrten Auftrag von Clemens XII. Corsini. Die zwischen 1732 und 1751 mit der 20 m breiten und 26 m hohen, meisterhaft gestalteten hochbarocken Brunnenanlage lehnt sich an den Palast der Herzöge von Poli an. Aus dem "Salone Grande" konnten die Gäste der papstfreundlichen Herzöge auf die barocke Opernszene blicken. Obwohl der ursprüngliche Wasserdruck stärker war, beeindruckt noch heute das Rauschen des Wassers und begleitet den Besuch wie ein Orchester. Ein spätbarockes monumentales Wassertheater.

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Stich von Carlo Antonini um 1780

Heute wirkt freilich der Platz zu klein bzw. der Brunnenpalast zu groß. Man muss aber berücksichtigen dass der Brunnen eben gerade hier errichtet werden sollte, der Ort war historisch-symbolisch zwingend, die Architektur war zu berücksichtigen (ein so ähnliches Problem hatte z.B. ca. 70 Jahre früher Mr.Bernini am Petersplatz, auch wenn man die beiden Vorhaben nicht so direkt vergleichen kann).

Das Thema
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Trevibrunnen Rom

Natürlich hat der Trevibrunnen ein Thema: er huldigt das Element Wasser. Oft wird miss-interpretiert: dem Künstler ging es weniger um die Darstellung der Naturgewalt die das Werk der Menschen bedroht, sondern ist als "ästhetisch-politisches" Bekenntnis des Architekten zu lesen. Salvi nimmt mit seinem Werk Partei, er gehörte dem eher konservativen Flügel jener Künstler an, die sich zu einer Kunst (zurück)bekannten, die die Naturbeobachtung und -nachahmung als Grundlage hatte. Eben gegen das zur Zeit aufblühende Rokoko (siehe Spanische Treppe, ein nahezu zeitgleiches Werk). Salvi eben nimmt Stellung: gegen das Frivole/Verspielte konzipiert er die Mittelpartie des Brunnens streng klassizistisch, wie ein römisch-antiker Triumphbogen aus dem der Gott der Meere auf einer Muschel "surft".

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Detail Fenster

Deutlich erkennt man in den Details worauf sich die Kunst (als Ausdruck der vom Menschen idealisierten Natur) ableitet: sie "wächst" aus der Natur(-beobachtung) heraus.